Dienstag, 19. April 2016

[Rezension] All die schönen Dinge von Ruth Olshan

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Die 16-jährige Tammie verbringt ziemlich viel Zeit auf dem Friedhof und schaut sich dort die Grabsteine und die Sprüche darauf an. Sie will unbedingt den perfekten Spruch finden, nicht für jemand anderen, sondern für sich selbst. Denn Tammie hat ein Aneurysma in ihrem Kopf und das bedeutet, dass sie möglicherweise bald sterben muss. Es kann jedoch auch sein, dass sie noch lange leben wird. Diese Ungewissheit belastet Tammie und fast ihr ganzes Leben dreht sich darum. Bis sie eines Tages auf dem Friedhof auf Fynn und seinen Hund Okay trifft...
"All die schönen Dinge" hat mich aufgrund seines fröhlichen Covers und der doch eher ernsten Thematik sofort angesprochen und ich habe mir eine süsse, berührende Geschichte im Stil von "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" erhofft. Auch wenn beide Geschichten ähnliche Themen behandeln gibt es ansonsten jedoch keine allzu grossen Ähnlichkeiten und leider konnte mich Ruth Olshans Buch auch nicht in gleichem Maße überzeugen wie dasjenige von John Green.

Der Anfang hat mir eigentlich nicht schlecht gefallen. Man lernt Tammie und ihr ungewöhnliches Hobby kennen und erfährt auch schnell den Grund dafür. Was Tammies Krankheit für sie und ihre Familie so schwierig macht, ist die Ungewissheit. Sie könnte noch viele Jahre mit dem Aneurysma leben oder das Schicksal könnte jeden Moment zuschlagen. Mit dieser Tatsache im Hinterkopf ist es klar, dass Tammie ihr Leben nicht so unbeschwert leben kann, wie andere Teenager.

Doch dann trifft sie Fynn und es ist Liebe auf den ersten Blick. Auch wenn die Beziehung der beiden total süss ist, hat mir leider dieser Teil des Buches, welcher sich hauptsächlich auf die Liebesgeschichte konzentriert, nicht besonders gut gefallen. Die Beziehung der beiden entwickelte sich einfach viel zu schnell und als Leser konnte ich Tammies Verliebtheit einfach nicht nachempfinden. Zudem beginnt sie ihr ganzes Leben umzukrempeln und ich konnte ihre Beweggründe dafür nicht wirklich verstehen. Sowieso blieb mir Tammies Verhalten oftmals ein Rätsel, ganz besonders was einen gewissen "Zwischenfall?" mit einem Mitschüler angeht.

Die zweite Hälfte des Buches hat mir dann jedoch wieder besser gefallen. Meine absolute Lieblingsfigur Okay, Fynns Hund, tritt darin mehr in den Vordergrund und die Geschichte wird vielschichtiger. Leider konnte ich Okays Schicksal so ziemlich vom Anfang des Buches vorhersehen, dennoch fand ich dass die Autorin diesen Teil der Geschichte gut umgesetzt hat. Die Geschichte wird weniger klischeehaft und etwas verrückter. Es gibt auch ein ziemlich interessantes Rätsel zu lösen.

Ich hätte mir gewünscht, dass die Liebesgeschichte weniger im Zentrum gestanden hätte und die Autorin vielleicht noch etwas mehr auf die Situation in Tammies Familie eingegangen wäre. Auch das Thema von Tammies Krankheit hätte meiner Meinung nach mehr Potential gehabt, denn auch hier hatte ich das Gefühl die Geschichte hat sich zu stark auf die Auswirkungen auf ihr Liebesleben konzentriert. Dennoch hat mir Tammies Entwicklung im Umgang mit ihrem Ypsilon im Gehirn gut gefallen, denn schliesslich weiss ja eigentlich niemand wie lang er noch zu leben hat.
Leider hat sich "All die schönen Dinge" für meinen Geschmack über lange Strecken etwas zu sehr auf die anfangs wenig überzeugende Liebesgeschichte konzentriert. Dabei behandelt das Buch eigentlich ein ernstes Thema auf weitgehend gelungene Weise. Besonders im letzten Drittel wird die Geschichte vielschichtiger, interessanter und sehr berührend. Ich wünschte nur die erste Hälfte hätte mich mehr überzeugen können.
 Titel: All die schönen Dinge
Autorin: Ruth Olshan
Erschienen: 22. Februar 2016
Seitenzahl: 288 Seiten
ISBN: 978-3789103711
Ruth Olshan wurde 1970 in Moskau geboren. Ein Jahr später emigrierte die Familie nach Israel, 1974 kam sie nach Deutschland. Aufgewachsen in Berlin studierte Olshan über ein Stipendium in Leeds (UK) und Köln Filmregie und Drehbuch. Sie arbeitet als freie Autorin und Filmemacherin für Dokumentar- und Spielfilm. Für ihr Werk wurde Olshan mehrfach ausgezeichnet. Ihre Erfahrung als Drehbuchautorin und Filmemacherin bereichert ihr Schreiben von Kinder- und Jugendliteratur. (Quelle: Oetinger Verlag)

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