Sonntag, 20. März 2016

[Rezension] Willkommen in Night Vale von Joseph Fink & Jeffrey Cranor

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Night Vale ist eine Stadt irgendwo in der Wüste und sie gleicht keiner anderen Stadt auf dieser Welt. Doch auch wenn gewisse Dinge, wie Leute die nicht altern oder die jede beliebige Form annehmen können, in Night Vale zum Alltag gehören, gibt es auch Dinge die selbst in Night Vale nicht normal sind. Beispielsweise ein Mann an den sich niemand ausser Diane erinnert. Oder ein Zettel auf dem nur zwei Worte "King City" geschrieben stehen und den Jackie einfach nicht mehr los wird...
Ich habe vor ein paar Monaten den Podcast "Welcome to Night Vale" entdeckt und höre seither sehr gerne immer mal wieder ein paar Folgen davon. Night Vale ist ein absolut einzigartiger Ort, der mich sofort in seinen Bann gezogen hat und daher habe ich mich auch sehr gefreut, als ich erfahren habe, dass die Macher des Podcasts auch ein Buch geschrieben haben, welches in Night Vale spielt. Wenn man den Podcast kennt trifft man in der Geschichte immer mal wieder auf bekannte Figuren oder Orte, die man bereits aus dem Podcast kennt, doch man kann das Buch auch gut lesen, wenn man noch nie zuvor einen Ausflug nach Night Vale unternommen hat. 

Wenig überraschend war das Setting für mich der beste Teil der Geschichte. Night Vale ist einfach so ziemlich der interessanteste, faszinierendste und verrückteste Ort über den ich je gelesen habe. Die Leute in Night Vale haben eine völlig einzigartige Weltsicht, denn in Night Vale gelten einfach nicht dieselben Gesetzte wie an anderen Orten. So kann man sich immer wieder davon überraschen lassen, welche bizarren Dinge die Bewohner dieser Stadt für völlig normal halten und ist irgendwann beinahe erstaunt, wenn etwas nach denselben Prinzipien funktioniert wie wir sie kennen.

Auch der Schreibstil hat mir richtig gut gefallen. Nicht nur die Beschreibung des Settings ist sehr gelungen. Die Gedankengänge der Hauptfiguren waren auch wirklich toll beschrieben und zwischen all den paradoxen und absurden Dingen lassen sich ein paar echte Lebensweisheiten finden. Die Geschichte ist teilweise humorvoll, schafft es aber auch einem zum Nachdenken zu bringen.

Die Charaktere haben mir, nach einer gewissen Aufwärmphase, gut gefallen. Anfangs fiel es mir etwas schwer mich in sie hinein zu versetzten, da ihre Welt so anders ist als unsere und auch ihre Leben und Probleme sehr ungewöhnlich sind. So ist Jackie eine ewig 19-jährige, die ein Pfandhaus führt und Diane ist die alleinerziehende Mutter eines Jungen, der jede beliebige Gestalt annehmen kann. Im Verlauf der Geschichte lernt man die beiden jedoch besser kennen und merkt, dass sie abgesehen von diesen verrückten Umständen doch ganz normale Menschen sind und ihre Probleme sich eigentlich gar nicht so sehr von unseren unterscheiden.

Die Handlung war leider derjenige Teil des Buches der mich etwas enttäuscht hat. Es bleibt lange sehr mysteriös und man kann nicht wirklich einschätzen wo die Geschichte hinführen soll. Zudem hat man das Gefühl, dass die Handlung nicht wirklich vorwärts kommt. Spannend wird es jeweils nur kurzzeitig und so schafft es die Geschichte auch nicht wirklich den Leser zu fesseln. Dank des unglaublichen Settings wurde mir glücklicherweise nie langweilig, doch ich hatte auch nie das Gefühl unbedingt weiterlesen zu wollen. 
Auch wenn mich "Willkommen in Night Vale" durch das einzigartige, skurrile Setting begeistern konnte und mir auch der Schreibstil und die Charaktere gut gefallen haben, gab es doch leider kleine Abzüge, da die Geschichte sehr lange gebraucht hat um in Fahrt zu kommen. Ich würde das Buch dennoch nicht nur allen Fans des Podcasts sondern auch neuen Lesern die gerne in aussergewöhnliche Welten eintauchen empfehlen. Lasst euch von Night Vale verzaubern.
 Titel: Willkommen in Night Vale
Originaltitel: Welcome to Night Vale
Autoren: Joseph Fink, Jeffrey Cranor
Übersetzer: Wieland Freund, Andrea Wandel
Verlag: Klett-Cotta
Erschienen: 19. März 2016
Seitenzahl: 378 Seiten
ISBN: 978-3-608-96137-9
Joseph Fink und Jeffrey Cranor, die Autoren des Kult-Podcasts „Welcome to Night Vale“ und der gleichnamigen Live-Tour, arbeiten schon seit Jahren erfolgreich zusammen. Fink, der Erfinder der Story, gründete bereits in jungen Jahren einen Kleinverlag. Cranor, der Theatermann, legte ihm die Idee zu einem Stück über eine Zeitreise vor – sie erarbeiteten es gemeinsam und führten die Zwei-Mann-Show 2011 (im New Yorker East Village) auf. Night Vale, Finks neues Projekt, reifte in beider Zusammenarbeit heran, und die erste von inzwischen über 40 Folgen „Welcome to Night Vale“  entstand. (Quelle: Klett-Cotta)

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