Donnerstag, 3. September 2015

[Rezension] Die Welt ist kein Ozean von Alexa Henning von Lange

Quelle
Als die 16-jährige Franzi für die Schule ein Praktikum machen soll will sie nicht wie die meisten ihrer Mitschüler in ein Fernsehstudio gehen, sondern in eine psychiatrische Klinik für Jugendliche. Dort trifft sie auf Tucker, der seit einem traumatischen Erlebnis nicht mehr spricht. Schon bei der ersten Begegnung spürt sie eine Verbindung zu ihm und auch er scheint auf sie zu reagieren. Kann sie ihm möglicherweise helfen wieder zu sprechen? Doch ihr Praktikum dauert nur zwei Wochen und danach wollte Franzi eigentlich ein Jahr nach Australien...
Mir ist das Buch wegen dem schönen Cover sofort aufgefallen. Zuerst war ich allerding noch etwas unsicher, da der Klappentext doch etwas kitschig klang. Da ich aber noch kaum Bücher gelesen habe, die das Thema psychische Krankheit bei Jugendlichen behandeln und ich dieses Thema eigentlich sehr wichtig finde, wollte ich der Geschichte doch eine Chance geben. Zudem hatte ich auch fast ausschliesslich gute Meinungen zu dem Buch gehört.

Leider hat sich herausgestellt, dass ich doch auf meinen ersten Instinkt hätte hören sollen. Der Einstieg in die Geschichte fiel mir noch ziemlich leicht. Franzi war mir zu Beginn der Geschichte sympathisch und ich konnte verstehen, weshalb sie mal etwas anderes kennen lernen wollte als ihr extrem behütetes Leben. Zudem hat sie im Gegensatz zu ihrer besten Freundin Nellie, die mir von der ersten Seite an absolut unsympathisch war, auch keine Vorurteile gegenüber psychisch Kranken. 

Dennoch konnte ich nie wirklich eine Bindung zu Franzi aufbauen, denn sobald sie Tucker das erste Mal trifft denkt sie eigentlich den Rest der Geschichte nur noch an ihn. Natürlich haben sie noch nie auch nur miteinander gesprochen, wie auch schliesslich leidet Tucker an totalem Mutismus, dennoch hat Franzi schon nach wenigen Tagen das Gefühl, sie seien Seelenverwandte. Sie beginnt sogar sich zu überlegen, ob sie das Austauschjahr in Australien abblasen soll, obschon das schon lange ihr Traum war. 

Was mir aber fast noch mehr auf die Nerven ging als die übertriebene Verliebtheit war, wie unrealistisch Tuckers Krankheit dargestellt wurde. Er ist schon über ein Jahr in der Klinik und keiner der Experten konnte auch nur den kleinsten Fortschritt machen. Doch dann kommt Franzi, eine Schülerin ohne jegliche Erfahrung, und in weniger als zwei Wochen ist Tucker geheilt. Natürlich bin ich auch keine Expertin, aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass dies realistisch ist. Ich finde auch es schickt eine merkwürdige Botschaft was psychische Krankheiten angeht, so nach dem Motto man muss sich nur verlieben und schon ist man geheilt...

Das Thema psychische Krankheiten wird leider kaum behandelt, obschon Franzi in ihrem Praktikum Jugendlich kennen lernt die an verschiedenen Krankheiten leiden wird kaum auf diese eingegangen. Ich hatte eher das Gefühl, dass psychische Krankheiten romantisiert dargestellt wurden. Tucker sieht natürlich absolut perfekt aus und seine Krankheit und tragische Vergangenheit lassen ihn auf Franzi gleichzeitig mysteriös und verletzlich wirken. Nellie sagt sogar mehrmals, dass Franzi einfach auf ungewöhnliche Typen steht.

Gegen Ende wurde dann die Geschichte auch noch richtig übertrieben dramatisch und ich musste mich teilweise wirklich fast durchquälen. Als nämlich plötzlich Tuckers Ex-Freundin wieder auftaucht, wird Franzi natürlich total eifersüchtig. Zudem wurde sie mir auch richtig unsympathisch, da es einfach so rüber kam, als würde sie es Tucker nicht gönnen geheilt zu sein, wenn er nicht mit ihr zusammen ist. 

Natürlich gab es auch Dinge, die mir gefallen haben. Die Autorin schreibt wirklich schön und es lag eindeutig nicht an dem Schreibstil, dass ich mich teilweise durchquälen musste. Ausserdem gab es auch eine Nebenfigur, Randy, die ich echt interessant und sympathisch fand, er gibt Franzi richtig gute Ratschläge. Als letztes mochte ich die Entwicklung der Beziehung zwischen Franzi und ihrer Mutter total, ihre Mutter ist zwar teilweise ein bisschen übervorsorglich, aber eigentlich meint sie es nur gut. Leider hat mir die Geschichte aber insgesamt trotz diesen positiven Aspekten nicht gefallen und ich würde das Buch nicht weiter empfehlen.
Ich hätte bei "Die Welt ist kein Ozean" besser auf meinen ersten Instinkt gehört und die Finger davon gelassen. Die Geschichte beschäftigt sich leider kaum ernsthaft mit psychischen Krankheiten. Stattdessen steht eine kitschige Liebesgeschichte im Vordergrund, durch die eine schwere psychische Erkrankung innerhalb von nur ein paar Tagen geheilt wird. Dies ist meiner Meinung nach nicht nur unrealistisch sondern vermittelt auch eine fragwürdige Botschaft.
 Titel: Die Welt ist kein Ozean
Autorin: Alexa Henning von Lange
Verlag: cbt
Erschienen: 27. Juli 2015
Seitenzahl: 352 Seiten
ISBN: 978-3-570-16296-5
Alexa Hennig von Lange wurde 1973 geboren und begann bereits mit acht Jahren zu schreiben. 1997 erschien ihr Debütroman Relax, mit dem sie über Nacht zu einer der erfolgreichsten Autorinnen und zur Stimme ihrer Generation wurde. 2002 bekam sie den Deutschen Jugendliteraturpreis. Es folgten zahlreiche Romane für Erwachsene wie Jugendliche und Kinder, außerdem Erzählungen und Theaterstücke. Alexa Hennig von Lange lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern in Berlin. 

Quelle: cbt Verlag

Kommentare:

  1. Mir ging es ganz ähnlich wie dir. Ich habe fast dieselben Kritikpunkte gehabt. Die Geschichte um Randy fand ich wiederum auch gut. Die hat noch viel wieder rausgerissen bei mir.
    LG
    Doro

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja Randy war mit abstand meine Lieblingsfigur, seine Geschichte war echt interessant. Irgendwie hätte ich fast lieber ein Buch über ihn gelesen. ;)

      glg Nadja <3

      Löschen

Ich freue mich über jeden Kommentar. Wenn ihr also meinen Tag ein bisschen verschönern wollt, schreibt mir doch einen Kommentar. ♥ Ich versuche auch immer möglichst schnell zu antworten. :)