Samstag, 7. April 2012

Kyria und Reb


Kyria und Reb: Bis ans Ende der Welt - Andrea Schacht                                 

zum Inhalt:
Als Kyria an ihrem 17. Geburtstag erfährt, dass sie Aufgrund ihres Gendefekts bald sterben wird, beschliesst sie etwas zu tun, was sie schon immer wollte. Sie will aus New Europe, einer Welt der vollständigen Überwachung, fliehen und endlich mal frei sein. Überraschend bekommt sie Hilfe von einem jungen Rebellen Namens Reb, den sie im Krankenhaus kennen lernt. Er hilft ihr zu fliehen und gemeinsam machen sie sich auf den Weg in ein Reservat, wo die Leute unabhängig von NuYu leben und wo Kyria hofft auf eine alte Freundin zu treffen. Doch nicht nur der Weg dorthin ist alles andere als leicht und unbeschwerlich, auch dort angekommen muss sich Kyria, die bis anhin wie in einem goldenen Käfig gelebt hat, erst mal an die neue Lebensweise gewöhnen. Zudem lauern dort Gefahren, die zeigen, dass NuYu nicht so ist, wie Kyria dachte...

meine Meinung:
New Europe, auch NuYu genannt ist eine Welt, welche einerseits sehr fortschrittlich ist, die medizinische Versorgung ist sehr gut, die Leute gebildet und die Gesellschaft beinahe Gewaltfrei, so scheint es zumindest. Doch andererseits werden die Leute durch ihre IDs, die alle tragen müssen und welche auch als Zahlungsmittel usw. gebraucht werden, immer und überall Überwacht. Ausserdem werden die Männer unterdrückt, wohingegen die Frauen alle Macht haben. Diese Idee fand ich wirklich sehr interessant, schliesslich war es früher, vor gar nicht so langer Zeit noch genau umgekehrt und es wäre eigentlich denkbar, dass so etwas in der Zukunft geschehen könnte, die Geschichte spielt im Jahr 2125, also in mehr als hundert Jahren, undenkbar wäre dass also sicher nicht. Auch sonst fand ich die Welt, die Andrea Schacht beschrieben hat gut ausgearbeitet und realistisch, ich konnte mich auch relativ schnell darin zurechtfinden.

Kyrias Mutter ist eine wichtige Politikerin in NuYu und deshalb hatte Kyria eigentlich immer ein sehr behütetes und luxuriöses Leben, allerdings ist ihre Beziehung zu ihrer Mutter nicht gerade die beste. Zudem musste sie Aufgrund ihres Gendeffekts viel Zeit im Krankenhaus verbringen und war auch sonst davon eingeschränkt, was bei ihr der Wunsch nach Freiheit geweckt hat. Als sie dann erfährt, dass sie sterben wird, reagiert sie deshalb auch nicht darauf, indem sie in Selbstmitleid versinkt, sondern sie will, dass sie in Freiheit stirbt, dass sie vor ihrem Tod noch diesen Wunsch verwirklichen kann.
Obschon sie sich also nicht gut mit ihrer Mutter versteht und sich noch mehr Freiheit sehnt, stellt sie aber das System von NuYu bis zu dem Tag, an welchem sie flieht, nie in Frage.
Doch auf ihrer Flucht mit Reb bemerkt sie immer mehr, dass das System eindeutig nicht nur gut ist und das sie in einer Welt voller Lügen aufgewachsen ist. Auch hier hat die Autorin meiner Meinung nach gut Arbeit geleistet, immer mehr merkt man, wie ungerecht diese Welt ist und wie dass aber alles vertuscht wird. Mein einziger wirklicher Kritikpunkt ist, dass die Geschichte in einem extrem fiesen Cliffhanger endet.

Doch nicht nur Kyrias Meinung zu NuYu verändert sich, auch sie selbst. Anfangs ist sie eine ziemlich verwöhnte "Zicke", ihre Flucht eine Verzweiflungstat, die sie allein nie geschafft hätte. Zudem ist sie auch ziemlich naiv, nur eins zeichnet sie von Anfang an aus, ihre Willensstärke. Doch während ihrer Reise und dann auch im Reservat, lernt sie einen anderen Lebensstil kennen. Man merkt, dass sie kein Zuckerpüppchen ist, sondern eine sympathische, selbstbewusste und intelligente junge Frau.
Kyrias Entwicklung wurde gut nachvollziehbar beschrieben und es hat mir richtig Freude gemacht sie mitzuverfolgen.

Eine wichtige Rolle bei dieser Entwicklung spielte natürlich auch Reb. Er ist ein richtiger Rebell/Bad-Boy und ziemlich anders, als die Männer in NuYu, die von den Frauen unterdrückt werden. Anfangs ist er wenig begeistert, dass er Kyria ins Reservat begleiten soll und ist ihr gegenüber eher abweisend und herablassend. Auch als sie sich später in der Geschichte etwas näher kommen wird ihre Beziehung nicht wirklich romantisch und schon gar nicht kitschig, dennoch fand ich die beiden passen gut zusammen. Die Dialoge der beiden waren wirklich toll und ich musste öfters mal lachen, denn bei den beiden passt der Spruch "Was sich liebt, dass neckt sich" echt perfekt.

Bevor ich jetzt noch kurz von dem tollen Cover schwärmen möchte, muss ich aber noch ein bisschen Kritik anbringen und zwar am Titel. Tja, denn ganz ehrlich, wer denkt bei Kyria und Reb nicht an Cassia und Ky? Vermutlich fast niemand und ok, die Bücher haben schon Gewisse Ähnlichkeiten, sie sind beide Dystopien, bei beiden gibt es ein Liebesgeschichte, bei beiden ist der Junge ein Ausgestossener und das Mädchen merkt durch ihn, was an dem System, in dem sie lebt alles schlecht ist, das System beruht bei beiden Geschichten auf totaler Überwachung und vermutlich würde man sogar noch mehr Gemeinsamkeiten finden.
Aber dennoch ist die Geschichte total anders, die Liebesgeschichten sind genauso verschieden, wie die Protagonisten und auch die Gesellschaftssysteme haben ausser der Überwachung eigentlich keine Gemeinsamkeiten. Auch der Schreibstil, sowie die Atmosphäre der Geschichte könnten kaum unterschiedlicher sein. Zudem will doch eigentlich niemand ein Geschichte lesen, die er schon kennt, also mich persönlich hat der Titel eher abgeschreckt.

Nun aber noch zum Grund, weshalb ich das Buch dann doch lesen wollte und dieser wäre das Cover. Denn ich gebe es ganz ehrlich zu, bei mir geben die Cover oft den Ausschlag, ob ein Buch gelesen wird oder nicht. Und dieses Cover hat mich geradezu dazu gedrängt, die Geschichte zu lesen, ihr eine Chance zu geben. Denn es hat mich regelrecht verzaubert, ich könnte einfach nur dasitzen und es anstarren, ich finde die Farben so wunderschön und das beste daran ist, dass wenn man den Schutzumschlag abnimmt, auf dem Buch noch einmal fast dasselbe Bild gedruckt ist.
Dann kann ich auch verzeihen, dass das Bild eigentlich nicht unbedingt viel mit der Geschichte zu tun hat.

Fazit:
Eine spannende Dystopie, die ganz anders ist, als der Titel vermuten lässt. Ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzung.

9/10*

Buchinfos: 
Titel: Kyria und Reb - Bis ans Ende der Welt
Autor: Andrea Schacht
Verlag: Ink
Erschienen: 9. Februar 2012
Seitenzahl: 381 Seiten
Gebundene Ausgabe

Autoreninfos:
Andrea Schacht hat lange Jahre als Wirtschaftsingenieurin gearbeitet, bis sie sich entschloss, ihre wahre Leidenschaft, das Schreiben, zu ihrem Beruf zu machen. Vor allem mit ihren historischen Romanen um die Kölner Begine Almut Bossart erlangte sie große Bekanntheit. Ihre Bücher stehen regelmäßig auf den Bestsellerlisten.
      
(Quellen: www.amazon.de; www.egmont-ink.de)      

Kommentare:

  1. Hi Nadja, fand das Buch auch ganz toll. Der Schreibstil war so besonders (brauchte erst eine Zeit, um mich einzulesen). Ich mochte Reb und auch Kyria sehr gerne. Ihre Zickereien waren doch herrlich! Und die Wohnwagenszene war einfach süß!
    Schöne Ostern dir,
    Damaris

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    1. Oh ja die Zickereien waren toll. ;)
      Ich hatte wirklich schöne Ostern, du hoffentlich auch.

      glg Nadja

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  2. Hallo,
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