Dienstag, 29. März 2016

[Kurzrezension] Silber - Das dritte Buch der Träume von Kerstin Gier

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Es ist März, in London steht der Frühling vor der Tür – und Liv Silber vor drei Problemen. Erstens: Sie hat Henry angelogen. Zweitens: Die Sache mit den Träumen wird immer gefährlicher. Arthur hat Geheimnisse der Traumwelt ergründet, durch die er unfassbares Unheil anrichten kann. Er muss unbedingt aufgehalten werden. Drittens: Livs Mutter Ann und Graysons Vater Ernest wollen im Juni heiraten. Und das böse Bocker, die Großmutter von Grayson, hat für die Hochzeit ihres Sohnes große Pläne, allerdings ganz andere als die Braut. Liv hat wirklich alle Hände voll zu tun, um die drohenden Katastrophen abzuwenden … (Quelle: Fischer FJB)
Ich habe mich sehr auf den Abschluss der "Silber"-Trilogie von Kerstin Gier gefreut. Obschon diese Trilogie meiner Meinung nach bei weitem nicht mit der "Edelstein"-Trilogie, welche zu meinen absoluten Lieblingen gehört, mithalten kann, mag ich die kreativen Ideen, liebeswerten Charaktere und den humorvollen Schreibstil der Autorin total, weshalb ich an diesen Abschluss auch ziemlich hohe Erwartungen hatte.

Anfangs bin ich eigentlich auch ziemlich gut wieder in die Geschichte hinein gekommen und hatte auch keine grossen Probleme mich wieder an die Geschehnisse der vorherigen Teile zu erinnern. Die Geschichte beginnt eher ruhig, aber das hat mich eigentlich nicht gross gestört, da es immer wieder tolle humorvolle Momente gibt und ich auch einfach den verrückten Familienalltag der Hauptfiguren total mag.

Mit der Zeit bin ich aber dann doch etwas ungeduldig geworden, denn es kommt zwar immer wieder kurz Spannung auf, aber die Dinge die geschehen scheinen keine wirklichen Konsequenzen zu haben und gerade da man weiss, dass dies der abschliessende Teil ist, hätte ich irgendwie mehr Spannung und sich überschlagende Ereignisse erwartet. Stattdessen lag der Fokus leider etwas zu stark auf eher nebensächlichen Ereignissen und es gab einen Handlungsstrang der mit Livs Nachbar und mit ihrer Beziehung zu Henry zu tun hat, den man sich meiner Meinung nach eigentlich auch komplett hätte sparen können.

Sowieso ist Henry nicht unbedingt meine Lieblingsfigur, meine beiden liebsten Figuren waren auch in diesem Teil wieder Mia, die man auf keinen Fall unterschätzen darf, und Grayson, der immer noch einfach nur super süss ist. Am besten haben mir auch wieder die vielen, sehr unterhaltsamen Momente der Familie Silber/Spencer gefallen. Ich mag solche chaotische Familien einfach total. Ansonsten war ich auch die ganze Zeit während dem Lesen mit Liv am miträtseln, richtig spannend wurde es aber erst ganz gegen Ende und da ging mir dann leider plötzlich alles ein bisschen zu schnell. Dennoch bin ich mit dem Abschluss grösstenteils zufrieden, auch wenn das Ganze schlussendlich irgendwie etwas unspektakulär war.
http://www.fischerverlage.de/buch/silber-das_dritte_buch_der_traeume/9783841421685

Sonntag, 20. März 2016

[Rezension] Willkommen in Night Vale von Joseph Fink & Jeffrey Cranor

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Night Vale ist eine Stadt irgendwo in der Wüste und sie gleicht keiner anderen Stadt auf dieser Welt. Doch auch wenn gewisse Dinge, wie Leute die nicht altern oder die jede beliebige Form annehmen können, in Night Vale zum Alltag gehören, gibt es auch Dinge die selbst in Night Vale nicht normal sind. Beispielsweise ein Mann an den sich niemand ausser Diane erinnert. Oder ein Zettel auf dem nur zwei Worte "King City" geschrieben stehen und den Jackie einfach nicht mehr los wird...
Ich habe vor ein paar Monaten den Podcast "Welcome to Night Vale" entdeckt und höre seither sehr gerne immer mal wieder ein paar Folgen davon. Night Vale ist ein absolut einzigartiger Ort, der mich sofort in seinen Bann gezogen hat und daher habe ich mich auch sehr gefreut, als ich erfahren habe, dass die Macher des Podcasts auch ein Buch geschrieben haben, welches in Night Vale spielt. Wenn man den Podcast kennt trifft man in der Geschichte immer mal wieder auf bekannte Figuren oder Orte, die man bereits aus dem Podcast kennt, doch man kann das Buch auch gut lesen, wenn man noch nie zuvor einen Ausflug nach Night Vale unternommen hat. 

Wenig überraschend war das Setting für mich der beste Teil der Geschichte. Night Vale ist einfach so ziemlich der interessanteste, faszinierendste und verrückteste Ort über den ich je gelesen habe. Die Leute in Night Vale haben eine völlig einzigartige Weltsicht, denn in Night Vale gelten einfach nicht dieselben Gesetzte wie an anderen Orten. So kann man sich immer wieder davon überraschen lassen, welche bizarren Dinge die Bewohner dieser Stadt für völlig normal halten und ist irgendwann beinahe erstaunt, wenn etwas nach denselben Prinzipien funktioniert wie wir sie kennen.

Auch der Schreibstil hat mir richtig gut gefallen. Nicht nur die Beschreibung des Settings ist sehr gelungen. Die Gedankengänge der Hauptfiguren waren auch wirklich toll beschrieben und zwischen all den paradoxen und absurden Dingen lassen sich ein paar echte Lebensweisheiten finden. Die Geschichte ist teilweise humorvoll, schafft es aber auch einem zum Nachdenken zu bringen.

Die Charaktere haben mir, nach einer gewissen Aufwärmphase, gut gefallen. Anfangs fiel es mir etwas schwer mich in sie hinein zu versetzten, da ihre Welt so anders ist als unsere und auch ihre Leben und Probleme sehr ungewöhnlich sind. So ist Jackie eine ewig 19-jährige, die ein Pfandhaus führt und Diane ist die alleinerziehende Mutter eines Jungen, der jede beliebige Gestalt annehmen kann. Im Verlauf der Geschichte lernt man die beiden jedoch besser kennen und merkt, dass sie abgesehen von diesen verrückten Umständen doch ganz normale Menschen sind und ihre Probleme sich eigentlich gar nicht so sehr von unseren unterscheiden.

Die Handlung war leider derjenige Teil des Buches der mich etwas enttäuscht hat. Es bleibt lange sehr mysteriös und man kann nicht wirklich einschätzen wo die Geschichte hinführen soll. Zudem hat man das Gefühl, dass die Handlung nicht wirklich vorwärts kommt. Spannend wird es jeweils nur kurzzeitig und so schafft es die Geschichte auch nicht wirklich den Leser zu fesseln. Dank des unglaublichen Settings wurde mir glücklicherweise nie langweilig, doch ich hatte auch nie das Gefühl unbedingt weiterlesen zu wollen. 
Auch wenn mich "Willkommen in Night Vale" durch das einzigartige, skurrile Setting begeistern konnte und mir auch der Schreibstil und die Charaktere gut gefallen haben, gab es doch leider kleine Abzüge, da die Geschichte sehr lange gebraucht hat um in Fahrt zu kommen. Ich würde das Buch dennoch nicht nur allen Fans des Podcasts sondern auch neuen Lesern die gerne in aussergewöhnliche Welten eintauchen empfehlen. Lasst euch von Night Vale verzaubern.
 Titel: Willkommen in Night Vale
Originaltitel: Welcome to Night Vale
Autoren: Joseph Fink, Jeffrey Cranor
Übersetzer: Wieland Freund, Andrea Wandel
Verlag: Klett-Cotta
Erschienen: 19. März 2016
Seitenzahl: 378 Seiten
ISBN: 978-3-608-96137-9
Joseph Fink und Jeffrey Cranor, die Autoren des Kult-Podcasts „Welcome to Night Vale“ und der gleichnamigen Live-Tour, arbeiten schon seit Jahren erfolgreich zusammen. Fink, der Erfinder der Story, gründete bereits in jungen Jahren einen Kleinverlag. Cranor, der Theatermann, legte ihm die Idee zu einem Stück über eine Zeitreise vor – sie erarbeiteten es gemeinsam und führten die Zwei-Mann-Show 2011 (im New Yorker East Village) auf. Night Vale, Finks neues Projekt, reifte in beider Zusammenarbeit heran, und die erste von inzwischen über 40 Folgen „Welcome to Night Vale“  entstand. (Quelle: Klett-Cotta)

Dienstag, 8. März 2016

[(Kurz)Rezension] Will Grayson, Will Grayson

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One cold night, in a most unlikely corner of Chicago, teenager Will Grayson crosses paths with . . . Will Grayson! Two teens with the same name who run in two very different circles suddenly find their lives going in new and unexpected directions. Culminating in epic turns-of-heart on both of their parts, they team up to produce the most fabulous musical ever to grace the high-school stage. (Quelle: Penguin)
Auch wenn die Idee zu "Will Grayson, Will Grayson" eigentlich ziemlich interessant klingt war sie nicht der Grunde weshalb ich zu dem Buch gegriffen habe. Der wahre Grund, weshalb ich das Buch unbedingt lesen musste waren die Autoren. Ich habe so ziemlich alles von John Green gelesen und auch mit den Büchern von David Levithan habe ich bisher eigentlich nur gut Erfahrungen gemacht. 

Ich wurde auch hier nicht enttäuscht. Was mir von Anfang an richtig gut gefallen hat war der Humor. Es gab so viele tolle Szenen, dass ich während dem Lesen vermutlich die meiste Zeit ein riesiges Grinsen im Gesicht hatte. Obschon das Buch viele ernstere Themen behandelt, beispielsweise Depression oder auch Homosexualität, hat es doch einen sehr positiven Grundton und hat einfach Spass gemacht. 

Die beiden Protagonisten haben ausser ihrem Namen eigentlich kaum etwas gemeinsam und es war spannend zu sehen wie ihre beiden Leben ineinander verwoben werden. Es war nicht nur interessant dies aus zwei so unterschiedlichen Sichtweisen zu erleben, sondern auch zu sehen, dass die beiden doch irgendwie aufeinander Einfluss nehmen. 

Für mich war die Sichtweise des Will Graysons mit dem das Buch auch beginnt und der von John Green geschrieben wurde jedoch irgendwie dominierender. Vielleicht lag es daran, dass ich mich mit ihm und seinen Problemen besser identifizieren konnte oder auch dass mir seine Sichtweise etwas besser gefallen hat. Irgendwie hatte ich das ganze Buch über etwas Probleme wirklich Zugang zu David Levithans Will Grayson zu finden. 

Mein Lieblingscharakter war jedoch Tiny Coopers, der beste Freund das ersten Wills. Er ist einfach ein absolut einzigartiger und extrem liebenswerter Charakter. Neben den beiden Protagonisten spielt er eindeutig die grösste Rolle in der Geschichte, schliesslich dreht sich auch alles um sein Muscial, was ich übrigens auch eine echt tolle Idee fand. Im Verlauf der Geschichte ist er mir wirklich ans Herz gewachsen und mit seiner extrem positiven Art, war er auch für viele meiner Lieblingsmomente in dem Buch verantwortlich.

Doch egal wie sehr mir die interessanten und vielfältigen Charaktere ans Herz gewachsen sind, teilweise waren sie alle echt ziemlich anstrengend. Beide Wills tendieren etwas dazu sich selbst zu bemitleiden und wirken dabei teilweise auch etwas egoistisch. Ich fand es aber toll, dass dies in der Geschichte auch behandelt wird und irgendwie macht es sie auch authentischer, weil wir ja alle manchmal eine etwa verzerrte Sicht auf die Dinge haben.

Ein kleiner Kritikpunkt, den ich noch habe ist, dass die Handlung teilweise etwas chaotisch war und besonders gegen Ende irgendwie alles plötzlich ein bisschen drunter und drüber ging. Das Ganze hat dadurch etwas gehetzt gewirkt. Dennoch hat mir das Buch insgesamt wirklich gut gefallen und ich würde das Buch allen weiterempfehlen, die Muscial, interessante Charaktere und humorvolle Geschichten mögen. 
http://www.penguin.co.uk/books/will-grayson-will-grayson/9780141346113/

Donnerstag, 3. März 2016

[Rezension] The Widow von Fiona Barton

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Jean Taylor führte ein ziemlich normales Leben. Sie hatte früh geheiratet und auch wenn in ihrer Heirat vielleicht nicht alles perfekt lief, liebte sie ihren Ehemann Glen doch sehr. Daher kann sie es auch nicht glauben, als er beschuldigt wird ein kleines Mädchen entführt zu haben. Sie weiss, dass er nie so etwas Schreckliches tun könnte und so steht sie unerschütterlich an seiner Seite. Doch die Monate und Jahre vergehen, das Mädchen wird nie gefunden und genauso kehrt Jeans Leben nie zur Normalität zurück. Selbst als Glen plötzlich stirbt ist sie nicht frei, denn nun wollen alle ihre Sicht der Geschichte hören...
Eigentlich sprechen mich Thriller nur eher selten an, doch hier klang der Klappentext einfach richtig interessant und das Zitat, welches das Buch als "ultimativen psychologischen Thriller" bezeichnet klang doch sehr vielversprechend. Leider muss ich hier aber direkt sagen, dass mich das Buch in dieser Hinsicht bitter enttäuscht hat und ich mit völlig falschen Erwartungen an die Geschichte herangegangen bin. 

Ich würde nicht sagen, dass "The Widow" ein schlechtes Buch ist, doch es war einfach nicht was ich mir erhofft hatte. Ich habe mich auf eine spannende, temporeiche Geschichte, mit vielschichtigen Charakteren und einer unvorhersehbaren Handlung gefreut, bei der man ständig am Rätseln ist, was eigentlich passiert ist. Leider konnte mich das Buch jedoch nie wirklich fesseln und besonders die überraschenden Wendungen blieben leider komplett aus. 

Die Charaktere waren zwar bis zu einem gewissen Grad interessant, doch ich konnte zu keiner der Figuren wirklich einen Zugang finden. Obschon die Geschichte aus verschiedenen Sichtweisen erzählt wird, was übrigens eines der Dinge war, die mir gut gefallen haben, ist Jean doch klar die Hauptfigur. Anfangs fand ich ihre Figur faszinierend, ich war gespannt darauf herauszufinden was wirklich hinter ihrer Fassade der braven, gehorsamen Ehefrau eines dominanten Mannes steckt. Doch auch wenn sich im Verlaufe der Geschichte andere Facetten ihres Charakters zeigen, konnte ich mir einfach nie ein stimmiges Bild von ihr machen.

Ein Problem welches es für mich erschwerte richtig in die Geschichte hineinzufinden, waren die Zeitsprünge. Die Geschichte beginnt drei Wochen nach Glens Tod, doch man springt dann für grosse Teile in die Zeit zurück als Jean und Glen noch ein ganz normales Paar waren und verfolgt auch die Ermittlungen, wie die Polizei schliesslich auf Glens Spur kam und alles was darauf folgte. Mein Problem dabei war, dass man aus der Situation in der Gegenwart (2010), sich natürlich vieles was in der Vergangenheit (von 2006 an) geschieht schon denken kann, was verhinderte, dass richtig Spannung aufkam. Ich hatte fast das Gefühl, dass mir die Geschichte besser gefallen hätte wenn sie linear erzählt worden wäre. 

Auch wenn das bisher alles sehr negativ klang, gab es doch Dinge die mir gut gefallen haben (und Dinge die ich ohne meine falschen Erwartungen mehr geschätzt hätte). Das Buch hat für einen Thriller ein ziemlich gemütliches Tempo, was auch daran liegt, dass die Geschichte nicht nur aus Jeans (und teilweise Glens), sondern auch aus der Sicht eines Polizisten und einer Journalistin erzählt wird. All diese Sichtweisen waren realistisch geschildert und man bekommt damit ein viel umfassenderes Bild des Falls als in vielen anderen Büchern. Interessant war es auch zu sehen wie es der Mutter des vermissten Mädchens ergeht

Ich fand es besonders interessant die Figuren aus den verschiedenen Sichtweisen zu sehen. Wer aus einer Sicht ein Opfer ist, ist aus der anderen ein Monster und umgekehrt. Auch wenn einem Glen grundsätzlich ziemlich unsympathisch ist, kann man doch fast nicht anders als Mitleid mit ihm zu empfinden, wenn die Presse so gegen ihn hetzt und sein und Jeans Leben zerstört. Oder man beginnt mit dem Polizisten, der einfach nicht vom Fall loskommt, zu zweifeln, ob man den richtigen Spuren gefolgt ist, ob man vielleicht etwas übersehen hat. So gelang es dem Buch trotzdem noch mich teilweise zum Rätseln und zum Nachdenken zu bringen.
Durch die Art wie das Buch beworben wurde, hatte ich eigentlich einen packenden, wendungsreichen Thriller mit komplexen Charakteren erwartet. Die Überraschung hat leider fast vollständig gefehlt und zu den Figuren habe ich leider kaum einen Zugang gefunden. Besonders die verschiedenen Sichtweisen haben mir jedoch gut gefallen und so ist es der Geschichte, welche ein schwieriges Thema behandelt, auch gelungen mich zum Nachdenken zu bringen.
 Titel: The Widow
Autorin: Fiona Barton
Erschienen: 14. Januar 2016
Seitenzahl: 320 Seiten
ISBN: 9780593076224
Fiona Barton trains and works with journalists all over the world. Previously, she was a senior writer at the Daily Mail, news editor at the Daily Telegraph, and chief reporter at The Mail on Sunday, where she won Reporter of the Year at the British Press Awards. The Widow is her first novel. Born in Cambridge, she currently lives in south-west France. (Quelle: Penguin Random House UK)